Arbeiten

Arbeitsprozess

Das Arbeiten unterscheidet sich sehr stark vom Arbeiten in Deutschland. Mein persönlicher Eindruck war, Kanadier arbeiten um zu leben und Freizeit besitz einen sehr hohen Stellenwert in der kanadischen Arbeitswelt. Ich habe Arbeiten stets als weit weniger stressig erlebt als dies im gleichen Job (Koch) in Deutschland der Fall war. Bei dauerhaft anfallender Mehrarbeit neigen Arbeitgeber in Kanada dazu eine weitere Person einzustellen anstatt die Mehrarbeit auf das bestehende Team abzuwälzen. Überstunden sind in der Regel mit dem 1,5- fachen des Stundenlohnes vergütet und werdem dem Angestellten normalerweise auch ausnahmslos angrechnet. Die Jobsuche gestalltet sich relativ einfach, oft werden so genannte „walk- in- Bewerbungen“ bevorzugt, man stellt sich einfach persönlich vor und hinterlässt einfach einen Lebenslauf. Natürlich sind auch konventionelle Bewerbungen gerne gesehen.Positiv augefallen ist mir, dass man im Arbeitsprozess durchaus als Mensch gesehen wird und nicht nur als Maschine die möglichst viel Produktivität zu bringen hat. Gerade in den ersten Tagen in meinem neuen Job, konnte ich gar nicht glauben wie freundlich mein Chef zu mir war. Nach den gewohnten Schreiattacken, wie ich sie durchaus des öfteren in deutschen und schweizer Küchen erlebt habe, war das wie eine Befreiung. Plötzlich hatte ich das Gefühl meine Arbeit wird wertgeschätzt. Besonders wenn Dinge nicht genauso waren wie mein Gegenüber sie sich vorgestellt hatte, wurde der Sache erstmal eine Chance gegeben anstatt mir meine angebliche Unfähigkeit vor Augen zu halten. Ergebnis war, ich habe meinen Beruf wiederentdeckt, es hat plötzlich richtig Spaß gemacht zu kochen und ich konnte meine Kreativität ausleben.

Was wird gesucht

Für mich als Koch war es so gut wie nie ein Problem einen Job zu finden, zum Teil konnte ich aus verschiedenen Angeboten auswählen. Grundsätzlich werden Handwerker  im ganzen Land gesucht, natürlich kommt es auf darauf an in welchem Bereich. Besonders Tischler, Elektriker, Mechaniker und Lebensmittelhandwerker sind stark nachgefragt. Ebenfalls werden Naturwissenschaftler, IT- Spezialisten, Sozialarbeiter, Ärzte und Pflegepersonal händeringend gesucht. Eine genaue Recherche des Arbeitsmarkt sollte jedoch im Vorfeld erfolgen, bspw. auf www.gc.ca oder auf den Internetseiten entsprechender Unternehmen.

Abschlüsse

Ein Problem gerade in den Handwerksberufen stellt vor allem die fehlende Annerkennung von deutschen IHK- Abschlüssen dar. Es ist zwar möglich einen Arbeitgeber zu finden, der dich aufgrund deiner Erfahrung einstellt, die Regierung erkennt die Abschlüsse jedoch ausnahmslos nicht an. Zum Problem wird das vor allem, wenn du über das Punktesystem einwandern möchtest. Ohne einen kanadischen Handwerksabschluss oder ein gültiges Jobangebot stehen deine Chanchen für eine Einwanderung sehr schlecht. Andere Vorrausetzungen bieten formale Ausbildungen wie Bachelor oder Master, diese Abschlüsse werden in der Regel annerkannt, dazu aber an anderer Stelle mehr.

Rund ums Geld

Das Durschnittseinkommen in Kanada ist jedoch etwas geringer als in Deutschland, im Moment liegt es bei ca. 38.000€ pro Jahr was ca. 2000€ unter dem deutschen Durchnittseinkommen liegt. Jedoch sind die Steuern weitaus geringer als in Deutschland. Bei einen Einkommen von 30.000€ pro Jahr zahlt man derzeitig (2019) in British Columbia 15% Einkommensteuer, der Spitzensteuersatz greift bei einem Einkommen von ca. 140.000€ und beträgt 33%. Dazu kommen noch Abzüge für Rentenversicherung und Sozialversicherung, am Ende betragen die Abzüge rund 25% auf dein Einkommen. Krankenkassenbeiträge werden bis zu einem Einkommen von 16.500€ nicht gezahlt, der Maximalbeitrag wird ab 29.000€ fällig und beträgt im Moment (2019) ca. 26€ pro Monat, dies gilt allerdings nur für British Columbia, da jede Provinz ein eigenes Abrechnungssystem besitzt. Hohe Krankenkassenbeiträge wie man sie aus Deutschland kennt, werden jedoch in keiner Provinz fällig. Allerdings muss man auch erwähnen, dass das soziale Sicherungsnetz bei weitem nicht so ausgebaut ist wie das deutsche, was den weitaus geringeren Sozialversicherungsbeiträgen geschuldet ist.